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Stillachklamm Erstbefahrung durch AKC

Erstmals durchgängige Befahrung der Stillachklamm bei Oberstdorf durch AKC-Truppe

Juli 2009: Erste Teilbefahrung der Stillachklamm

Im Juli 2009 befahren Peter Tümmers und John Blake als erste die Stillachklamm im hintersten Winkel des Allgäus: eine 3 km lange Felsröhre zwischen teils 60 m hohen senkrechten Wänden, unten machmal nur 2 m breit, mit langen bobbahnähnlichen Zwangspassagen ohne Haltepunkt um mehrere Kurven; gelegen am südlichsten Punkt Deutschlands mit dem passenden Namen „Einödsbach“, inmitten der höchsten Gipfel der Allgäuer Alpen. Die Fahrt ist riskant. Ein einziger quer liegender Baum zwischen den senkrechten Schluchtwänden hätte fatale Auswirkungen haben können. Doch nach vergeblichen Versuchen, von den oberen Schluchtwänden Klarheit zu bekommen, stürzen sich die zwei an einem schönen Julimorgen durch die Klamm. Die Wahrheit liegt letztlich im Boot. Doch müssen die beiden viele tolle Stellen umheben, ebenso wie ihre bislang einzigen Nachahmer Benni Abele und Stefan Finsinger, die im KM 99 über die Fahrt berichten.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Warum: Ca 20 große und kleine Bäume versperren den Weg, kein Kajaker hat hier jemals „Baumpflege“ betrieben. Die Aussicht auf Wasserdruck + verwinkelte Zwangspassagen + Baumverkeilungen würden Befahrungen bei coolen Wasserständen zum Himmelfahrtskommando machen. Doch die beiden sind angefressen: sie wollen in ihrer nicht gerade mit alpinem Wildwasser gesegneten Allgäuer Heimat diese ungewöhnlich schöne, wilde und spektakuläre Klamm zuverlässig befahrbar zu machen.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de


Bachputzaktion – ein Alpinist hilft mit

Also schuften Peter und John im Herbst 2011 drei Tage in der Klamm, sägen ca. 20 Bäume raus und legen 180 m Seilgeländer in die Klammwände, richten eine Seilbahn und zwei Abseilstellen ein.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Die Idee ist, die verwinkelten Fahrrouten um 3 Ecken bei Wasserdruck vorher einsehen zu können und – sollte je ein frischer Baum den Klammweg versperren – einen Rückzugsweg zu haben. Vor einer Wasserfall-Zwangspassage montieren sie in Ermangelung eines Kehrwassers rechts einen Handlauf, quasi als Anlegestation, damit man erst besichtigen kann, wo man sich runterstürzt.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Dabei bekommen sie Untersützung von der Bergsportfraktion: Stefan Heiligensetzer, der bekannte Allgäuer Bergsteiger, Journalist und Alpinfotograf (Organisator der jährlichen Vortragsreihe „Bergsicht“ in Kempten www.bergsicht.info am 19. November) und mit Peter Tümmers befreundet, wollte schon immer mal den aquatischen Kollegen über die Schulter schauen. Im ungewohnten Neoprenanzug bohrt, knotet und sägt er fleißig mit.

Stefan Heiligensetzer im ungewohnten Ganzkörper Neo

15. Okt. 2011 Erste durchgängige Befahrung

Im Oktober beschert eine frühe Schneeschmelze den Kajakern eine unverhoffte Chance. Peter Tümmers und John Blake genießen die Früchte Ihrer Sägearbeit. Bis auf zwei unfahrbare Wasserfälle ist alles machbar und ein technischer wie landschaftlicher Hochgenuß. Bei dieser zweiten Fahrt nehmen sie Michl Sedlmeier mit. Der wohnt schließlich in der Augsburger Paddler-WG im „Stillachweg“. Da ist der Wohnort Programm.

Das Stillbach Team um Peter Tümmers (mitte), Foto: Stefan Heiligensetzer

Alpinprofi und Fotograf Stefan Heiligensetzer begleitet im Canyonstil. Schließlich hängen überall wo’s eng wird Seile. Nur eine Passage von etwa 30 m wurde übersehen bzw. müsste noch nachgearbeitet werden. Hier fehlt leider noch ein Seilgeländer und Alpinist Stefan durchlebt seinen ersten spektakulären Schwimmer. Denn er bewältigt ihn auf dem Bauch und mit dem Gesicht nach unten, weil ihn sein Kamera-Luftssack eben leider immer wieder in dieser Position haben will. Wir muntern ihn wieder auf, Stefan ist hart im Nehmen.

Peter Tümmers, Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Die Fahrt ist ein Highspeed-Erlebnis. Es saugt einen förmlich durch die enge Röhre. Viele verwinkelte Zwangspassagen reihen sich aneinander, gefällstark, teilweise ruppig, aber immer fair (WW 4-5).

John Blake, Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Nach enger Einfahrt öffnet sich die Klamm immer wieder als kurze Waldschlucht, um sich erneut spektakulär zu verengen. Durch die Fixseile ist das Risiko kalkulierbar, ein Weg zurück oder drumherum immer möglich.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Nach den beiden unfahrbaren Wasserfällen wird angemessen sportlich per Alpinstart eingestiegen, anders kommt man nicht ans Wasser.

Foto: Stefan Heiligensetzer - www.experience-outdoors.de

Nach etwa 2,5 km öffnet sich die Klamm und beschließt mit lässigem III-er Wildwasser bis zur Pegelbrücke bei der Talbus Endstation Einödsbach.

Helmkamera Video Clip von der Befahrung:

Daten – Infos für Nachahmer

Einstieg für Umweltbewusste und Wanderfreunde

Die Klamm liegt in einem (eigentlich) autofreien Tal südlich von Oberstdorf. Eine Option ist: Mit dem öffentlichen Talbus von der Fellhornbahn aus zur besagten Endstation „Einödsbach“ um von dort 3 km zum Einstieg zu laufen (Tragegurt mitnehmen). Da es stramm bergauf geht, hat man sich danach auf der Biergarten-Terrasse des extrem idyllischen Berggasthofes Einödsbach eine Einkehr verdient. Hebt man das Kajak danach vom Biertisch aus über den Terrassenzaun, sind es nur noch 10 min. Fußweg zum Fluß. Schon geht’s los.

Schlaue Option für Lauffaule:

Wer sich den Bus und das Laufen sparen will, der hat eine smartere Option:

Wer sich im www.berggasthof-einoedsbach.de für die Nacht einbucht, der bekommt – organisiert von Hüttenwirtin Kati Ellmann – eine Durchfahrtsgenehmigung zugemailt. Mit der ausgestattet, darf man exklusiv ins sonst autofreie Hochtal bis direkt zum Gasthof Einödsbach mit dem Auto fahren. Direkt unterhalb der rund 2600 m hohen Trettachspitze gelegen, gibt es dort das volle Repertoire an alpiner Betätigung bis hin zum Chillen bei geilem Bergblick. Es lohnt sich also durchaus, ein kombiniertes Wochenende zu planen. Weil wir der Kati und ihrer Küche zu Dank verpflichtet sind, muß hier außerdem der sensationelle Kirschkuchen, der Apfelstrudel, der Schweinsbraten oder der Einfachheit halber alles erwähnt werden, was auf der Speisekarte steht.

Pegel:

Web-Pegel Stillach Birgsau

http://www.kajak-channel.de/kajakpegel-Stillach.htm

Die Stillachklamm ist fahrbar ab 20 cm. Wir hatten bei unserer Fahrt 25 cm. Ein idealer Wasserstand dürfte zwischen 30 und 40 cm liegen. Dann werden die Durchfahrten rund und wuchtig, aber noch nicht stark rückläufig. Darüber sollte man die Schlucht kennen, da es mit dem Anhalten vor Kernstellen und besonders vor den beiden Unfahrbaren sonst eng wird. Unter 15 cm eignet sich die Klamm – dank der Fixseile und Abseilstellen – als anspruchsvolle und landschaftlich sehr exponierte Canyontour – zum Kennenlernen für spätere Befahrungen interessant.

Bericht: Peter Tümmers

eil wir der Kati und ihrer Küche zu Dank verpflichtet sind, muß hier außerdem der sensationelle Kirschkuchen

Tags: bachputz · diesel · Erstbefahrung · habitat · john blake · klamm · oberstdorf · peter tümmers · stefan heiligensetzer · stillbachklamm

Rubrik: Teamblog  Poster: Wave Sportaktualisiert: 06.11.11 - 22:15

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