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Höhentraining in Ost-Tibet

Kajak-Trip organisiert von Jed Weingarten und Willie Kern

Die hohen Berge, die Menschen und die Kultur des Himalaya – bedeutete für mich jede Menge hohe Berge und faszinierende Landschaften gemischt mit mystischer Kultur.  Insbesondere Tibet stand schon lange ganz oben auf meiner Reisewunschliste.

Potala Palast, Lhasa (C) Jenning Steger

Potala Palast, Lhasa (C) Jenning Steger

So war die Entscheidung schnell getroffen als im Februar des vergangenen Jahres zwei Paddelfreundinnen fragten, ob ich Zeit und Lust hätte, nach Tibet zum Bootfahren mitzukommen. Die Anfrage meiner Freundinnen kam überraschend und kurzfristig, denn es sollte schon Mitte April losgehen! Nachdem ich das Sparschwein geplündert und mich durch den Visum-Dschungel gewühlt hatte, buchte ich einen Flug, auf dem ich auch meine Paddelausrüstung unkompliziert befördern konnte. Rasch noch Trockenanzug, Boot, Paddel sowie die nötigen Klamotten eingepackt und los ging’s!

The girls (C) DMP

The girls (C) Dixie-Maree Prickett

Nach drei Tagen Kultur in Lhasa und Akklimatisation auf dem Lhasa Chu (Chu=Ache, Bach) fuhren wir gen Osten in Richtung Parlung Tsango Tal (Tsangpo=Fluss), wo wir uns die meiste Zeit aufhalten wollten. Auf dem Weg lag der Nyang Chu mit einem sechs Kilometer langen Wildwasserabschnitt III/IV+. Bestes Wildwasser zum Einpaddeln!

(C) Trip Jennings

Tibet (C) Jenning Steger

Am Ausstieg schlugen wir unser erstes Camp auf. Wir genossen wahres Luxuscamping. Wir mussten eigentlich nur unsere eigenen Zelte und das „Gourmet-Zelt“ aufbauen. Unsere Begleiter, die Jungs vom Lhasa Rafting, bauten das Küchenzelt im Nomadenstil auf, kochten und kümmerten sich um Trinkwasser. Selbst hartnäckigstes Anbieten unserer Hilfe wurde mit einem breiten Grinsen abgewiesen.

Our camp (C) DMP

Our camp (C) Dixie-Maree Prickett

Nach weiteren zwei Tagen Autofahrt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von höchstens 60km/h, zwei Pässen über 5000m sowie den Städten Bayi und Bomi näherten wir uns langsam dem Ziel.

Having a snack on the road (C) Jenning Steger

Having a snack on the road (C) Jenning Steger

Der Parlung ist ein ca. 125 Kilometer langer Oberlauf des Yarlung Tsangpo und hat neben den Abschnitten im höchsten Schwierigkeitsgrad auch Teilstücke mit WW II bis IV. Die sporadisch geteerte Hauptstrasse führt fast immer entlang des Flusses, so kann man die WW-Abschnitte recht gut einsehen und entsprechend dem Wasserstand auswählen.

Am Parlung Tsangpo (C) Bruce

Am Parlung Tsangpo (C) Bruce Fine

In den ersten Tagen war Scouten am Fluss wegen der langsamen Anpassung an die Höhe immer noch sehr anstrengend. Bei 3600m über NN (Lhasa) schwillt sogar der Schaum der Schwimmweste und die Ausrüstung fühlt sich viel zu eng an. Doch die Schwimmweste und wir gewöhnten uns an die „dünne Luft“. Außerdem ließ uns die Szenerie der Berge und das tolle Wildwasser jede Anstrengung vergessen. Den Parlung Tsango konnten wir vom Ursprung im Rawu See bis Bomi auf mehreren Abschnitten in Tagestouren befahren. Fast jeden Abend zogen wir mit unseren Begleitfahrzeugen weiter und verbrachten die Nächte nach köstlichen Mahlzeiten, umgeben von mächtigen namenlosen Bergen, an neuen Plätzen am Fluss.

Sumdzon view (C) Bruce Fine

Panorama am Sumdzon (C) Bruce Fine

Sumdzom Gorge (C) Jenning Steger

Sumdzom Schlucht (C) Jenning Steger

Die Seitenflüsse des Parlung, wie der Sumdzom Chu, der Yigong Tsangpo, der Rong und der Tong Chu warteten ebenfalls mit klarem Schmelzwasser und spannenden WW-Abschnitten auf. Beim Einbooten begleiteten uns immer neugierige und freundliche Dorfbewohner. Klöster und schmucke kleine Dörfer säumten die Straßen. Gebetsfahnen prägten das Landschaftsbild.

Der Einstieg am Sumdzom Chu (C) Bruce Fine

Der Einstieg am Sumdzom Chu (C) Bruce Fine

Gebetsfahnen (C) Jenning Steger

Gebetsfahnen (C) Jenning Steger

Am Pausentag wanderten wir zur Quelle des Parlung, einer Gletscherzunge oberhalb des Rawu Sees. Während des 20-Tage-Trips wurde es unmerklich Frühling. Rhododendren blühten in den sonnigen Tälern. Das Wasser im Parlung stieg mit jedem Tag und bedeckte mehr und mehr die steinigen Uferbänke. Die Flussabschnitte, die wir auf der Hinfahrt locker befahren haben, wären auf der Rückfahrt schon zum sportlichen Abenteuer geworden.

Wanderung (C) Dixie

Wanderung (C) Dixie-Maree Prickett

Zurück in Lhasa entschied sich ein Teil der Gruppe für Shopping, der andere für einen Tagesausflug Richtung Norden zum Yarlung Tsangpo. Nach ca. zwei Stunden Autofahrt stiegen wir bei niedrigem Wasserstand in den Nyimo Canyon ein. Trotz wenig Wasser hatte der Fluss immer noch Sambesi-Ausmaße und auch einen ähnlichen „Drop-und-Pool“-Charakter: Weltklasse Wildwasser!

Am Oberlauf des berüchtigten Yarlung Tsanpo (C) Jenning Steger

Am Oberlauf des berüchtigten Yarlung Tsanpo (C) Jenning Steger

Jed kerzelt die Chicken-line am Yarlung (C) Jenning Steger

Jed kerzelt die Chicken-line am Yarlung (C) Jenning Steger

Zurück in Lhasa genossen wir vor der langen Flugreise noch einmal die Leckereien der asiatisch-tibetischen Küche sowie den Blick auf die Berge, den Potala-Palast und liefen eine Runde mit den Pilgern um den Jokhang Tempel inmitten der Altstadt Lhasas. Vollgetankt mit Energie, Erlebnissen und Erfahrungen ging’s nach Hause in die Alpen, deren Charme den hohen Bergen Tibets einmal mehr in nichts nachsteht.

Impressionen aus Lhasa (C) Jenning Steger

Impressionen aus Lhasa (C) Jenning Steger

Tibet - das Land am Himalaya

Tibet - das Land am Himalaya (C) Bruce Fine

Mehr Info gibt’s in dem Artikel „Friendly Waters of Tibet“ im Kayaksession # 32 von Jed Weingarten.

Bericht: Ingrid Schlott
Fotos: Jenning Steger, Dixie-Maree Prickett und Bruce Fine

Tags: himalaya · ingrid schlott · lhasa · parlung tsangpo · tibet · yarlung tsangpo

Rubrik: Teamblog  Poster: Ingrid Schlottaktualisiert: 16.05.10 - 18:46

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