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Abenteuer im Altai

Puuhh, geschafft! Nach vier Wochen in der russischen Wildnis sind wir wieder heil nach Hause zurückgekehrt. Die Bilanz dieses Trips: acht Flüsse im Altai-Gebirge, zwei tote Russen, ein Autounfall, zwei verlorene Paddel, ein geschächtetes Schaf und gar nicht so viel Vodka, wie man annehmen mag. Aber der Reihe nach…

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Mitte August fiel der Startschuss für unsere Reise ins tiefste Sibirien. Von München ging es über St. Petersburg nach Novosibirsk, von wo aus wir mit Autos weiter südostwärts Richtung Altai-Gebirge reisen wollten. Fast wäre das ganze Vorhaben aber schon am Flughafen München gescheitert. Die nette Dame beim Check-In wollte partout unsere Kajaks nicht akzeptieren und so mussten alle Überredungskünste und die Kreditkarte her, um dann gerade noch zwei Minuten vor Abflug in den Flieger zu sprinten! Just in Time! In St. Petersburg dann wieder die gleiche Sch…. – wieder nachzahlen und wieder haben wir es gerade noch rechtzeitig ins Flugzeug geschafft.

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Spätestens zwei Tage später war aber aller Reisestress vergessen als wir am Einstieg des ersten Bachs, dem Chuya River, angekommen waren. Tomass versprach uns feinstes Wildwasser auf den nächsten 20 Kilometern – allerdings hatten wir auch einen rekordverdächtigen Wasserstand…da wir ja aber eh keinen Vergleich hatten, bombten wir einfach Tomass hinterher und nach ein paar Stunden auf dem Bach hatten wir einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Wochen in Sibirien erwarten würde – BIG Water!!!

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Vom Chuya ging’s dann auf einer abenteuerlichen Fahrt durch atemberaubende Landschaften zum Chulishman, unserem ersten Multi-Day-Trip. Hier könnten wir uns die nächsten drei Tage an das Paddeln mit vollgepackten Booten gewöhnen und das einzigartige Gefühl der Abgeschiedenheit der vollkommenen Wildnis genießen.

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Zwischen den Mehrtagestouren kauften wir immer wieder in kleinen Dörfern oder Städten Verpflegung ein – ein Highlight der besonderen Art: Aufgrund der harten Lebensbedingungen und der Perspektivlosigkeit ist Alkoholmissbrauch ein großes Problem im Altai. Wie Zombies stolpern dort die Menschen schon am Morgen über die Straßen und betteln um Bier oder Vodka. Erschreckend! Auch das Essen in Sibirien war gewöhnungsbedürftig: ungefähr keine Vitamine, dafür fast ausschließlich fettiges, abgekochtes Fleisch und Nudeln mit Mayonnaise. Sowieso ist Mayo in Russland offenbar ein universelles Grundnahrungsmittel. Auf Dauer kann einen das ganz schön fertig machen…

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Auch das Reisen in den sibirischen Bergen unterscheidet sich ganz schön von europäischen Standards. Straßen verdienen kaum diese Bezeichnung und so weicht die wildabenteuerliche Romantik des Offroad-Fahrens ziemlich schnell ziemlichen Rückenschmerzen…Umso lustiger war es dafür mit unseren beiden russischen Fahrern Locha und A-Dog, die zwar kein Wort englisch konnten, dafür aber mit fahrerischem Können und Brechstangentaktik bei der Autoreparatur überzeugen konnten. Letzteres war auch ziemlich häufig vonnöten – mindestens ein paar mal am Tag fiel der Auspuff ab, streikte das Getriebe oder gab die Zylinderkopfdichung den Geist auf.

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So aufregend wie die Autofahrten waren auch die Flüsse, die wir in Russland paddeln konnten. Dreieinhalb Tage und 100 km waren wir auf Karagem und Argut unterwegs, die riesige Rapids und fantastisches Wildwasser für uns bereit hielten. Leider fanden wir an einem der schweren Katarakte einen toten russischen Rafter. Zuvor war ein Heli durch die Schlucht geflogen und, wie wir später erfuhren, suchte nach einem zweiten vermissten Sportler. Auch bei unserer nächsten Tour auf dem Bashkaus machten wir wieder eine grausige Entdeckung: Am Ufer lag ein Ertrunkener, der offenbar schon etwas länger tot war. Ohne uns jedoch davon verrückt machen zu lassen, paddelten wir diesen grandiosen Fluss und konnten unsere Namen in das „Buch der Legenden“ eintragen. Zu Ehren ihrer bei der Erstbefahrung im Jahr 1976 verunglückten Kameraden brachten die Überlebenden Rafter im folgenden Jahr eine Gedenktafel und ein Buch für folgende Abenteurer am Fels über der Unglücksstelle an. Unser Team war in all den Jahren erst die zweite europäische Gruppe.

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Die einzige wirkliche Auszeit vom Big-Water nahmen wir uns am Kurkure River: oberhalb eines beeindruckenden 30-m-Wasserfalls reihen sich 4 Stufen von 4-10 Meter Höhe aneinander. Bei strahlendem Sonnenschein genossen wir es, mal wieder etwas weniger Wasser unterm Boot zu haben und ganz definierte, technische Stellen zu paddeln. Grandios!

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Zum Abschluss unserer Reise kehrten wir noch einmal zum Mahzoy Schlucht auf dem Chuya zurück, wo wir uns die letzten zwei Tage mit ein paar Non-Stop-Runs austobten. Dem Anlass gebührend kauften wir dann am letzten Abend ein Schaf, um endlich mal wieder ein vernünftiges Essen auf die Teller zu zaubern. Zum Glück war einer unserer Fahrer routiniert im Umgang mit Fleisch, das noch weglaufen kann und vermutlich sogar einen Namen hat…mit einem geübten Schnitt war die Kehle durch und das kleine Schäflein konnte seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt werden. Frischer geht’s wohl nicht…So hatten wir auf alle Fälle einen tollen letzten Abend am Fluss, bevor es am nächsten Tag zurück nach Novosibirsk ging, von wo wir alle nach und nach den Rückflug antreten konnten.

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Wie immer war es ein grandioses Abenteuer und einfach eine tolle Zeit mit den Jungs! Obwohl einige vorher noch nicht zusammen beim Paddeln unterwegs waren, haben wir uns super verstanden und viel Spaß auf und abseits des Bachs gehabt. Dope!

Und die Russen sind verdammt noch mal verrückte Hunde!!!

Wie immer geht unser Dank an unsere Sponsoren: adidas, Prijon, wavesport, sweet, Kober, TyWarp, Langer, hf, Piranha, Ortlieb, Lettman und Bliss Stick

Viele Grüße,
das Team

Florian Dillier, Thilo Schmidt, Bernhard Mauracher, Philip Baues, Timo Köster, Stefan Pion, Tomass Marnics, Sam Sutton, Jared Meehan und Olaf Obsommer

Tags: altai · arbut · bashkaus · chulcha · olaf obsommer · russland · Sickline

Rubrik: Teamblog  Poster: Olaf Obsommer

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