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Weihnachten mal anders: Uganda

Raus aus den winterlichen Alpen – mit diesem Gedanken begannen wir uns zu überlegen, wo es in der kalten Jahreszeit hingehen soll. „Uganda? Junge, das ist einfach nur geil! Mach das!“ war die erste Reaktion, die wir auf unser Vorhaben bekamen. Bevor das letzte Wort gesprochen war, befanden wir uns bereits mitten in den Impfungen und buchten den Flug nach Afrika an den weißen Nil. Drei Monate später starteten Flo Fischer, Helga Lehner, Johannes Simma und ich unseren Trip in Richtung Süden.

Matthias Karl in Uganda (c) Flo Fischer

Als wir mitten in der Nacht am Flughafen in Entebbe landeten, wurde uns auch gleich bewusst, wo wir waren. Das vom Camp organisierte Shuttle hatte uns versetzt und so mussten wir, obwohl uns alle dringend davon abgeraten hatten, ein Taxi vom Flughafen organisieren. Dies brachte uns glücklicherweise sicher in unser Camp, kassierte dafür allerdings stolz das Dreifache des Preises, den wir mit dem Camp vereinbart hatten.

Happy people (c) Helga Lehner

Angekommen in dem Dorf Bujagali – wir entschieden uns auf das ruhigere Eden Rock Resort Camp zu gehen, um wenigstens etwas Schlaf zu bekommen – der einzige Gedanke: Wo geht’s zum Wasser? „Wasser“, in diesem Fall der längste Fluss der Welt, der uns in den nächsten Wochen eine atemberaubende Zeit bereiten sollte. Wir befanden uns wenige Kilometer unterhalb des Viktoria Sees, aus dem der sogenannte Viktoria-Nil mit seinem einzigarten Flusscharakter entspringt.

Never do this with a case of beer... (c) Helga Lehner

Auf dem Weg zum Fluss lernten wir den Schweizer Stefan Oschwald kennen, der von diesem Zeitpunkt an unsere Gruppe aufs Beste ergänzte. Fünf Minuten später war Stefan in seinen Paddelklamotten und führte uns durch das zweite Camp, Nile River Explorers (kurz NRE), hinab zum Einstieg. Da Stefan bereits seit drei Wochen in Afrika war, konnte er uns souverän durch die uns noch unbekannten Flussabschnitte leiten. Kaum im Boot, lernt man schon die Vorzüge des Nils kennen. Geschätzte 25° C Wassertemperatur. Wer es bevorzugt, kann natürlich auch über eine betonierte Rampe ins Wasser stylen ;-)

Helga im ersten Rapid (c) Flo Fischer

Ab hier folgt ein mächtiger Rapid auf den nächsten; man kann nicht mehr aufhören zu grinsen. Ca. eine Stunde und den Abschnitt „Silverback“ später wussten wir: unsere Freunde hatten uns nicht zu viel versprochen. Faires, warmes Wuchtwasser in meist mittlerem Schwierigkeitsgrad. Das Ganze im Spielboot – ein Traum!

Unsere Betten werden geliefert (c) Matthias Karl

Das Shuttle zurück zum Camp ist wohl eines der bekanntesten Teile der Reise. Die „Boda Bodas“: ein Einheimischer mit Moped bringt dich mitsamt Kajak bei unmöglichen Straßenverhältnissen von A nach B. Wenn man sich daran gewöhnt hat ist es das beste Taxi der Welt.

auf den Boda Bodas (c) Flo Fischer

Den Abend ließen wir bei Burgern und Bier im NRE ausklingen, wo wir mit mehreren Paddlern aus aller Welt Bekanntschaft machten. So verbrachten wir die erste Woche mit Silverback und Bierchen und genossen einfach das angenehme Klima.

Big Water vom Feinsten (c) Flo Fischer

An einem Tag paddelten wir durch die „Day One Section“, ein Flußabschnitt der am Silverback anschließt. Die darauffolgende „Day Two Section“ nahmen wir uns eine Woche später vor. Einerseits geprägt von wunderschönen Rapids gibt es andererseits auch immer wieder Flachwasserstücke, auf denen man sich eine Ananas gönnen, oder sich einfach nur in der schönen Landschaft vergessen kann.

Johannes und Flo im Rapid Itanda (c) Stefan Oschwald

Unser nächstes Ziel war die Insel „Hairy Lemon“. Diese liegt unterhalb der ganzen Flussabschnitte. Hier geht es einzig und allein darum zu chillen und auf genialen Wellen zu freestylen. Seit diese Insel einen neuen Besitzer fand, ist ihr Komfort auch deutlich gestiegen, z.B. durch sanitäre Anlagen und wirklich gutes Essen, was den gesamten Aufenthalt zum Hochgenuss machte.

Big Air auf der Nile Special (c) Flo Fischer

Pünktlich zu Silvester verließen wir Hairy Lemon und fuhren zurück nach Bujagali um dort in das neue Jahr hinein zu feiern. Der Abend begann mit Dinner im „Green Light Restaurant“ (ein kleines Restaurant der Einheimischen in Bujagali) und ein paar Partien Billard mit deren Kindern. Darauf folgte eine ausgiebige Party im NRE und man wurde die nächsten Tage fast ausschließlich mit den Worten „Happy new yeeeeear!“ begrüßt.

Silvesterparty im NRE (c) Helga Lehner

In der letzten Woche ließen wir uns von den Boda-Bodas zu ein wenig weiter entfernten Siedlungen bringen, um uns einen Eindruck zu verschaffen, wie die Leute dort wohnen. Sie sind arm, aber wenn man ihnen in die Augen sieht, fühlt man, dass diese Leute keineswegs unglücklich sind. Niemand würde an dir vorbei gehen ohne zumindest ein aufrichtiges „How are youuuuuu?“ von sich zu geben. Die Menschen in Bujagali, ganz besonders die Kinder, sind sehr aufgeschlossen, freundlich und dankbar. Dies zeigte sich vor allem, als wir den einheimischen Kindern von zu Hause mitgebrachte T-Shirts schenkten, woraufhin sie uns vor Freude kaum mehr von der Seite wichen.

Flo Fischer bei den Kids (c) Matthias Karl

Schnappschuss (c) Flo Fischer

Am letzten Abend, nachdem wir im NRE ausgiebig unseren Abschied gefeiert hatten, kam uns plötzlich der Gedanke: „Wir können nicht abreisen ohne in Jinja, der nächsten großen Stadt, ausgegangen zu sein!“ Zwei Männer ein Wort – Taxifahrer aufwecken, ab nach Jinja und feiern bis in die Morgenstunden. Danach ein leckeres Chapati zum Frühstück und noch ein letztes Mal den Silverback genießen. Dann ging auch schon unser Shuttle Richtung Flughafen.

Chapati Nr. 6 (c) Matthias Karl

Eigentlich würde ich nun von der Reise und den Erlebnissen schwärmen, denn die Erfahrung war schlichtweg unglaublich. Leider ist die Begeisterung von starker Wehmut getrübt, da sich nach uns nicht mehr vielen Paddlern diese Gelegenheit bieten wird. Warum? Mittlerweile unterliegen auch die ärmsten Länder der Welt der Kontrolle von Energiekonzernen, welche im Laufe des Jahres 2011 einen Staudamm mitten durch den Silverback fertigstellen werden und somit eine weitere Flussperle in einen riesigen Stausee verwandeln werden.

Staudamm im Silverback (c) Helga Lehner

Tags: Freestyle · uganda · Wave Sport · weißer Nil · white nile · whitewater · Wildwasser

Rubrik: Archiv  Poster: aktualisiert: 25.01.12 - 17:25

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